VEGI BITTE !

Interkulturelle Begegnungen verlangen Toleranz und Kompromissbereitschaft. Von beiden Seiten. So ziehen wir uns in Moscheen ein Kopftuch über, laufen auch in den allerdreckigsten Tempeln barfuss und essen ausnahmslos alles nur noch mit der rechten Hand. Wir feilschen wie Einheimische, geben geduldig jedem über unser Heimatland Auskunft und nicken verständnisvoll über die Tradition arrangierter Ehen. Das Zusammenleben mit einer Jain Familie fordert dann jedoch die mitgebrachte Kompromissbereitschaft auf einem ungeahnten Niveau heraus. Nach einer einwöchigen Abstinenz von Fleisch und Alkohol wird jeder Schmetterling und jeder Elefant zum Objekt der karnivoren und kulinarischen Begierde. Jegliche Gewalt gegenüber Lebewesen wird von Jains vermieden, so zum Beispiel das Töten von Moskitos, das Schneiden von Blumen und das Tragen von Leder. Wenn der folgsame Europäer dann nach einer Woche immer gleich schmeckendem Dal, Kartoffeln, Blumenkohl, Linsen und Kichererbsen von seiner Jain-Gastfamilie in ein non-veg Restaurant eingeladen wird, freut er sich verständlicherweise umso mehr auf den bevorstehenden Fleischgenuss. Umso grösser der Frust, wenn er nett, aber unmissverständlich gebeten wird ein vegetarisches Gericht zu bestellen.

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