Monthly Archives: December 2012

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Ravi Shankar

Der Eroberer des Westens stirbt mit 92 Jahren

shankar

Was tue ich nur in diesem Käfig, in diesem alten Körper?” schrieb Ravi Shankar einigermaßen fassungslos bereits vor 13 Jahren in seiner Autobiografie “Raga Mala”. “Warum kann ich nicht mehr wie früher Marathon-Konzerte geben und hinterher stundenlang Liebe machen? Mein Geist ist doch noch so jung…” Das Altern, es war ein Problem für den Sitar-Virtuosen, den alles überragenden Weltstar der nordindischen Klassik, der sich von einer Herzoperation nicht mehr erholte und am Dienstag mit 92 Jahren in einer kalifornischen Klink starb.

Bis zuletzt quoll er über vor Zukunftsplänen, komponierte ohne Unterlass, erlebte in London die Uraufführung seiner Symphonie für Sitar und Orchester und gründete Anfang 2012 eine eigene Plattenfirma, um legendäre Archivaufnahmen zu veröffentlichen. “Ich kann nachts kaum einschlafen, so viele Ideen habe ich”, erklärte er, der 1920 in Indiens heiliger Stadt Varanasi als Robindro Shaunkor Chowdhury geboren wurde. Nur die Konzerte fielen ihm zunehmend schwerer: Beim letzten Auftritt, den er am 4. November gemeinsam mit seiner Tochter und Schülerin Anoushka Shankar absolvierte, brauchte er Rollstuhl und Sauerstoffgerät.

Die Karriere des Ravi Shankar begann im zarten Alter von zehn Jahren, als er mit der Tanz- und Musiktruppe seines älteren Bruders Uday nach Paris zog und hier ebenso große Erfolge feierte wie im Rest Europas und den USA. Es war ein Leben des Glamours und der Versuchungen, ein Leben, das Shankar lange sehr genoss. Vor allem als junger Erwachsener. “Ich hatte Mädchen in jedem Hafen, manchmal nicht nur eines”, erinnerte er sich. Schauspieler wie Clark Gable und Joan Crawford, Musiker wie Cole Porter und Duke Ellington gehörten zu seinem Bekanntenkreis, und Shankar sog all diese neuen Einflüsse begierig auf.

Doch die Freuden des Weltlichen, sie reichten ihm letztlich nicht. Er wollte mehr, wollte zu den spirituellen Quellen der Musik vordringen. Und war bereit, dafür alles auf eine Karte zu setzen, auf die strenge Ausbildung bei Ustad Allauddin Khan, ab 1938 sein Guru, in dessen Haus er sieben Jahre lebte und dessen Tochter Annapurna Devi er später heiratete. Eine harte Schule, die tägliches vielstündiges Üben und absoluten Gehorsam gegenüber einem Meister verlangte, der nicht die kleinste Unachtsamkeit durchgehen ließ. Hier wurde der Rohdiamant geschliffen, der zunächst in seiner Heimat für Aufsehen sorgte und dort das Musikprogramm des einflussreichen All India Radio verantwortete oder Soundtracks für die Filme seines berühmten Landsmannes Satyajit Ray schrieb.

Ab den 50er-Jahren war Shankar Indiens wichtigster kultureller Botschafter, trat in der UdSSR und Japan auf, traf Yehudi Menuhin und John Coltrane, beeinflusste nachhaltig Philip Glass und eroberte den Westen endgültig, als George Harrison sein Freund und Schüler wurde. Mit dem Beatle nahm er mehrere Alben auf, gemeinsam tourten die beiden durch die USA und zollten einander immer wieder öffentlich Respekt. Harrison blieb Shankar bis zu seinem Tod im November 2001 verbunden und schrieb später das Vorwort für dessen Biografie.

Woodstock, Monterey Pop, das Concert for Bangladesh: Die Hippiebewegung umarmte Ravi Shankar in den späten Sechziger- und frühen Siebzigern, fuhr ab auf den exotischen Sound der Sitar, der begleitenden Sarod und der Tabla-Trommeln. Aber dem Umschwärmten missfiel, was er sah. Vor allem der Drogenkonsum passte nicht zu einer Musik, die er als göttlich empfand. Die Festival-Auftritte waren große Erfolge, aber ihm auch eine Qual. Er wollte ein hoch konzentriertes Publikum, keines, das die komplexen Ragas lediglich als stimmungsvollen Soundtrack zum nächsten LSD-Trip betrachtete.

Auch die Popularisierung der indischen Klassik, deren Elemente sich zunehmend auf Pop-Alben fanden, betrachtete er mit gemischten Gefühlen. Man könne nicht einfach ein paar Töne auf der Sitar spielen und dann behaupten, man habe das Wesen der Musik erfasst. Dazu gehöre viel mehr, ein spiritueller Reifungsprozess, der auf einer Jahrtausende alten Kultur fuße. Verbündete im Geiste waren ihm Musiker wie Mstislaw Rostropowitsch, Yehudi Menuhin oder Zubin Mehta, mit denen er eine Brücke von Ost nach West schlug und epochale Platten einspielte. Unvergessen auch seine Musik zu Richard Attenboroughs Filmbiografie “Gandhi”.

Eine gute Übersicht bietet die ab dem 18. Dezember erhältliche Zehn-CD-Box “The Ravi Shankar Collection” (EMI), die einige Hauptwerke versammelt. Ansonsten ist seine Diskografie unübersichtlich, viele legendäre Live-Aufnahmen, etwa auf dem deutschen Chhanda-Dhara-Label sind kaum noch zu finden, anderes ist nur in Indien oder den USA erschienen. Hier lebte er mit seiner zweiten Frau Sukanja Rajan, die ihm ein spätes Glück bescherte: Tochter Anoushka, geboren 1981, seine Meisterschülerin. Und Halbschwester von Jazzsängerin Norah Jones, das Ergebnis einer Affäre, zu der sich Shankar erst spät öffentlich bekannte.

Sukanya und Anoushka waren bei ihm, als er starb und schreiben auf seiner Website: “Auch wenn dies jetzt eine Zeit der Trauer ist, so ist es auch eine Zeit, um dankbar zu sein, dass er ein Teil unseres Lebens war. In unseren Herzen und in seiner Musik wird er ewig weiterleben.” In der Tat: Den Käfig seines alten Körpers hat Ravi Shankar verlassen, aber was er geschaffen hat, als Musiker und Bewahrer indischer Traditionen, wirkt weit über ein Menschenleben hinaus.

Die Welt : Holger True

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New Mohur :: Geld für die Welt

Quelle: GDI Impuls 4/12, S. 36-37

Gespräch mit Subroto Roy
New Mohur

Der indische Ökonom Subroto Roy hat dieser Tage für Indien eine neue Währung vorgeschlagen – den New Mohur. Ganz ohne Münzen und Noten hätte er trotzdem (oder gerade deswegen) das Potenzial, zu einer globalen Handelswährung zu werden. Ein Gespräch über die Befreiung des Geldes aus den Händen der Politik und über Global Player im Ökosystem der Währungen.

Von Subroto Roy
Solange ich mich erinnern kann, ist Indiens Währung die Rupie. Jetzt wollen Sie einen «New Mohur» vorstellen. Also muss es einen alten Mohur gegeben haben, oder?
Richtig, die Währung des freien souveränen Indiens war die Rupie. Aber davor gab es den Mohur als muslimische und britische Goldmünze – und er steht in der indischen Bevölkerung immer noch für Wertstabilität! Die Rupie selbst ist ja nicht mehr wie früher eine Silbermünze, sondern ein Papiergeld, bestehend aus Bargeld und Bank-Buchgeld.

Und Sie wollen die Goldmünze zurückbringen?
Nein, viel moderner. Der New Mohur ist lediglich ein Portfolio in einer Bank. Es besteht zu 75 Prozent aus ausländischen Währungen (sieben harte Währungen plus der chinesische Renminbi) und zu 25 Prozent aus Edelmetallen (Gold und Silber). Von den klassischen Geldfunktionen kann er deshalb die des Tauschmittels nicht erfüllen, aber dafür als Recheneinheit und als Wertaufbewahrungsmittel fungieren – und sogar ein Wertmassstab für einige Investitionsgüter sein, wie Land oder Immobilien.

Wollen Sie damit die Rupie ersetzen? Oder ergänzen?
Beides! Ich möchte die Integrität der Rupie als Währung erhöhen, und zwar drastisch erhöhen, und das sowohl im Inland als auch international. Um das zu erreichen, muss die Währung konvertibel sein, und zwar ernsthaft konvertibel, nicht die falsche Konvertibilität, die es heute in Indien gibt, bei der die ökonomischen und politischen Eliten praktisch unbeschränkten Zugang zu Devisen haben, aber die Masse der Bevölkerung nicht. Milton Friedman mahnte die Regierung von Indien im Jahr 1955, als seit kurzem souveräner Staat solle das Land Devisenkontrollen abschaffen und eine frei konvertierbare Rupie mit flexiblen Wechselkursen einführen und dazu für ein stabiles und berechenbares monetäres Klima sorgen. Indien ignorierte seinen Rat und hielt das Dokument unter Verschluss – bis es 1989 von mir veröffentlicht wurde.

Also soll Ihr New Mohur eine härtere Konkurrenz zur weichen Rupie werden – als eine Art «Goldstandard»?
Lassen Sie mich für die Antwort 99 Jahre zurückgehen: zu John Maynard Keynes’ allererstem Buch, «Indian Currency and Finance». Dort beschrieb er, wie die Rupie bis 1893 als Silber-Standard funktionierte und wie danach der Versuch eines Bimetallismus scheiterte. Indien stolperte also ins 20. Jahrhundert mit einem modifizierten Goldstandard, der allerdings, eher zufällig, dem von Ricardo gesetzten normativen Ziel nahekam, nämlich die Zahlungsmittel, die im internen Kreislauf verwendet werden, genau so zu behandeln, als ob sie aus Gold seien, indem sie für den Zahlungsverkehr mit dem Ausland in Gold konvertierbar sein sollten. Bis 1947 war die Rupie zwar an britischen Interessen orientiert, wurde aber im internationalen Handel vom Irak bis nach Singapur und Australien akzeptiert. Das sollte auch in Zukunft mit einer indischen Währung möglich sein.

Wem wird der New Mohur «gehören»? Wer übernimmt wo die Aufgabe der Zentralbank?
Der New Mohur braucht keine Zentralbank, da es keine Münzen oder Noten im Umlauf gibt. Er braucht auch keine spezielle Einrichtung zur Festlegung des Wechselkurses, da sich dieser aus den jeweiligen Kursen der zugrunde liegenden Währungen und Metalle ergibt. Alle Menschen in Indien werden in der Lage sein, den New Mohur zu verwenden?…

…?wenn sie ein Bankkonto haben.
In der Tat, da die Währung nur bargeldlos eingesetzt werden kann. Für die Rupie hingegen ist eine Zentralbank weiterhin wichtig, um zusammen mit den Finanzbehörden auf die Schaffung eines nicht-inflationären makroökonomischen Umfelds hinzuarbeiten und die Devisenreserven zu verwalten.

Was würden Sie brauchen, um diese neue Währung zu starten? Eine Zustimmung der Regierung? Eine grosse Bank? Einige Handelsunternehmen oder Investmentfonds? Oder nur eine Excel-Tabelle und eine Website?
Erst einmal nichts von alledem. Das für den Beginn entscheidende Element ist eine Debatte. Nur wenn es eine breite Diskussion um die Gründe gibt, die mich zu diesem Vorschlag bringen, kann das den Boden für eine Einführung bereiten. Dazu gehört insbesondere auch eine stärkere Einsicht der politischen und ökonomischen Elite, dass es wichtig ist, eine vertrauenswürdige Rupie zu haben.

Rupie? Ich dachte, der New Mohur soll so vertrauenswürdig werden?
Nicht nur – denn diese Währung soll und wird auch die Rupie stärken. Meine Idee ist, dass Rupien-Besitzer diese frei in New Mohur tauschen können, vor allem für ausländische Transaktionen, dass sie aber im Normalfall keinen besonderen Anreiz haben sollten, grössere Bestände dieser Währung zu halten.

Aber sie soll doch als Wertaufbewahrungsmittel fungieren?
Fungieren können – nicht müssen. Auf Anlagen in New Mohur erhält man keine Zinsen, auf die in Rupien schon. Deshalb sollte die Anlage in Rupien attraktiver sein – es sei denn, die Bürger haben Angst vor einer hohen Inflationsrate und entsprechender Entwertung der Rupie. Deshalb bedeutet allein die Existenz des New Mohur schon eine Verpflichtung für die indische Regierung, die öffentlichen Finanzen in Ordnung zu halten und hohe Inflationsraten nicht einfach als eine Ersatzsteuer zu sehen. Sie kennen die Geschichte von Odysseus, der sich an den Mast seines Schiffes binden liess, um nicht von den Sirenen verführt zu werden: Der New Mohur wäre genau ein solches Seil, um die regierende Klasse vor der Verführung einer weichen Währung zu schützen und damit der indischen Bevölkerung die Kaufkraft ihrer Ersparnisse zu sichern.

Indien ist, um es milde auszudrücken, ein Nachzügler im globalen Markt für vertrauenswürdige und konvertierbare Währungen. Das ist eigentlich keine gute Ausgangslage, um die anderen Währungen zu überholen.
Die ehrliche Antwort ist nein. Indien hat zwar den Vertrag von Versailles als einer der Sieger mit unterschrieben, Indien war zwar Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und des Internationalen Währungsfonds, Indien war zwar ein Teilnehmer der Konferenz von Bretton Woods, aber auch jetzt, rund 65 Jahre später, hat das souveräne Indien immer noch keine weltweit akzeptierte, frei konvertierbare Währung. Und es sieht auch nicht so aus, als ob die Rupie bald so weit sein würde. Noch immer wedelt der fiskalische Hund mit dem monetären Schwanz, und mein Ziel ist es, dieses Verhältnis umzudrehen.

Ihre Währung ist in erster Linie ein Korb – mit acht internationalen Währungen und zwei Edelmetallen gefüllt. Das klingt nicht nach einer spezifisch indischen Währung – eher wie eine globale Währung. Wollen Sie eine Währung schaffen, die die Welt verändert?
Mein unmittelbares Anliegen ist es, die tief verwurzelten Probleme der indischen Wirtschafts- und Finanzpolitik anzugehen. Aber wie es manchmal so ist, könnten einige Elemente auch für andere Weltregionen von Interesse sein. Die einzelnen Gewichtungen im Mohur-Korb sind: US-Dollar und Gold je zwanzig Prozent; Euro, Pfund, Yen und Renminbi je zehn Prozent; Kanadischer Dollar, Australischer Dollar, Schweizer Franken und Silber je fünf Prozent. Diese Kombination macht ihn immun gegen jede Art von Missbrauch durch einzelne oder mehrere Regierungen; er ist ein stabiles Wertaufbewahrungsmittel und eine internationale Rechnungseinheit. Und wenn man in Europa oder Amerika Probleme mit dem so fremd klingenden Namen New Mohur haben sollte: Nennen Sie die Währung einfach Neue Dukaten!

Wenn der New Mohur hauptsächlich als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden soll – sollten Sie nicht beginnen, ihn in der Schweiz zu vermarkten, dem grössten Safe der Welt?
Ich wäre begeistert, wenn die Schweizer mich darum bitten würden. Ich kenne von der Schweiz bisher nur den Flughafen Zürich, und ich würde gerne mehr kennenlernen. Aber in der Tat müsste eine solche Währung für die Schweizer Banken von Interesse sein. International betrachtet ähnelt der New Mohur ein wenig den Sonderziehungsrechten, der Währung des Internationalen Währungsfonds, die ja auch eine Recheneinheit und ein Wertaufbewahrungsmittel ist, aber kein Tauschmittel. Allerdings dürfen Sonderziehungsrechte nur von den Regierungen gehalten werden – der New Mohur wäre für jedermann. Und eine einfache, leicht verständliche internationale Währungseinheit mit stabilem Wert müsste auch tatsächlich für jedermann von Interesse sein.

Empfehlen Sie, die Funktion des Wertaufbewahrungsmittels und des Tauschmittels auch in der Eurozone und/oder in der Schweiz voneinander zu trennen?
Für die Schweiz kann ich nicht sprechen, da jeder auf der ganzen Welt die Schweizer Währung mit Respekt behandelt. Mit der Eurozone ist das anders: Dort steht vor allem Griechenland vor einem Problem, das eigentlich eine ähnliche Lösung wie in Indien erfordert – nur umgekehrt. Indien hat schlampige öffentliche Finanzen und braucht dringend eine härtere Währung für den internationalen Handel. Griechenland hingegen hat heute möglicherweise übermässig starre öffentliche Finanzen und könnte gut zusätzlich zum Euro eine weiche, nicht konvertierbare Währung brauchen, um die inländische Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Vielleicht wäre es ganz hilfreich, statt immer nur deutsche auch einmal indische Berater ins Land zu holen.

Interview: Detlef Gürtler

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Textkasten: Weltgeld anno 1622
Geldwertstabilität auch in schwierigen Zeiten, eine Erleichterung der weltweiten Handelsgeschäfte durch eine vertrauenswürdige Währung: Das stand auch schon vor Jahrhunderten auf dem Wunschzettel der Grosskaufleute. Und vor knapp vierhundert Jahren erfüllten sie sich diesen Wunsch: mit der «Mark Banco» der «Hamburger Bank». Diese Bank verfügte über kein eigenes Gebäude, sie arbeitete im Hamburger Rathaus, und ihr Geld verfügte über keine Münzen, sondern nur über einen Wechselkurs – der blieb dafür aber über mehr als 250 Jahre der gleiche: Eine Mark Banco entsprach einem Silbergewicht von 8,66 Gramm. Eingezahlt wurden von den Kunden (vorwiegend in Hamburg tätige Kaufleute) natürlich schon Münzen – von Währungen aus aller Herren Ländern. In den Büchern der Bank wurde dafür ein Guthaben zum jeweiligen Tageskurs in Mark Banco verzeichnet. Da sie als reines Rechengeld einen stabilen, nicht manipulierbaren Wert darstellte, wurde die Mark Banco nicht nur im Gross- und Fernhandel regelmässig benutzt, sondern auch für langfristige Finanzierungen, etwa im Hypothekengeschäft. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde die Sonderwährung aus dem Verkehr gezogen.
Link zum Thema www.independentindian.com

956, GDI, 01.10.2012, Words: 1541, NO: 25915216F915261944B304EDE4F654CF

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BOLLYWOOD – THE GREATEST LOVE STORY EVER TOLD

Aktuell im RIFFRAFF : Tickets unter 044 444 22 00

Bollywood

 

Die produktivste Traumfabrik der Welt

Können zwei Milliarden Menschen irren? So viele Anhänger hat das bildgewaltige indische Kino. Doch was ist das Besondere an den oft mehrstündigen, hochemotionalen Filmen und ihren vergötterten Stars? Die Antwort findet sich in dieser temporeichen Hommage: 75 Minuten voller Tanz, Gesang, Insiderwissen und jeder Menge Gefühl. Ein grosses Fest für Augen und Herz!

Bollywood – Die grösste Liebesgeschichte aller Zeiten: Eine Dokumentation über Bollywood, mit ihren einzigartigen Tanzeinlagen und der wiedererkennbaren Musik im Fokus. Ein Genre, von dem die einen glauben, es halte Indiens Kultur zusammen, während die anderen es am liebsten verbannen würden.

Lange Zeit war Bollywood ausserhalb des asiatischen Raums kaum bekannt. Aber seit einiger Zeit erfreuen sich die indischen Filme auch in Europa immer grösserer Beliebtheit. Exotisch, bunt und mit viel Tanz und Gesang verzaubern die Bollywood Filme Jung und Alt. Um der Welt dieses Phänomen näher zu bringen, haben Rakeysh Omprakash Mehra und Jeff Zimbalist diese aussergewöhnliche Liebeserklärung an das indische Kino zusammengestellt. Herausgekommen ist eine Kombination der schönsten Song-and-Dance-Nummern des Bollywood-Kinos mit ihren grössten Stars, die mittlerweile auf der ganzen Welt für Hysterie sorgen und Fans rund um den Globus haben. Stars und Macher wie Amitabh Bachchan, Aishwarya Rai Bachchan, Shammi Kapoor, Madhuri Dixit, Katrina Kaif oder Shekhar Kapur erklären, warum sie Bollywood lieben.

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Dengue

Patienten verstopfen die Klinikflure

dengue

Neu Delhi – Die Zeit der Mücken neigt sich dem Ende entgegen. Auch in Indien wird es nun kühl und trocken, die Brutplätze für die Mückenlarven verschwinden und die Menschen atmen auf. Die Regierung in Neu Delhi zieht Bilanz: Mehr als 35.000 Menschen sind in dieser Saison offiziell am Dengue-Fieber erkrankt, das ist trauriger Rekord.

216 Menschen starben an den Folgen des Virus, das von der Asiatischen Buschmücke übertragen wird. Doch die tatsächliche Zahl der Betroffenen – so Experten – dürfte viel, viel höher liegen.

“Die Regierung versucht gar nicht ernsthaft, die tatsächliche Zahl der Erkrankten zu erfassen”, sagt Scott Halstead, der an der McMaster Universität im US-amerikanischen Rockville die Krankheit erforscht. Man könne davon ausgehen, dass in Indien ähnlich viele Menschen am Dengue-Fieber erkrankten wie in Thailand oder Vietnam – doch es gebe keine belastbaren Zahlen. Halstead schätzt, dass Dengue in Indien jedes Jahr mindestens eine Million Menschen trifft.

In der Hauptstadt Neu Delhi kennt jeder Männer, Frauen und Kinder, die wegen des Dengue-Fiebers wochenlang im Bett lagen. “Ich habe mich noch nie in meinem Leben so schwach gefühlt. Es hat mich unglaublich Kraft gekostet, nur das dünne Betttuch anzuheben”, erzählt eine Diplomatin. Sie habe kaum mehr etwas gegessen oder getrunken – weil das zu anstrengend war. “Die Knochen haben sich angefühlt, als seien sie gebrochen.” Schließlich musste sie für eine Bluttransfusion ins Krankenhaus.

Das Problem: Da das Ausmaß der Verbreitung offiziell unterschätzt wird, wird nicht genug gegen die Ausbreitung der Mücken getan. Manish Kakkar, Dengue-Spezialist der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Indien, meint, die Menschen seien sich zwar grundsätzlich der Gefahr bewusst. “Aber es wird trotzdem nicht ständig darauf geachtet, in Häusern und Gärten Mücken vom Brüten abzuhalten.” Dabei reiche schon eine Blumentopf mit Wasser für die Larven.

Derzeit liegt Indien in der WHO-Statistik der Dengue-Fälle weit hinter dem Nachbarland Sri Lanka – obwohl Indien 60 Mal mehr Einwohner hat. Die WHO dringt nun darauf, die Erfassung von Dengue-Fällen weltweit zu standardisieren, um auch global gegen die “vernachlässigte tropische Krankheit” vorgehen zu können. “Das tatsächliche Ausmaß der Krankheit zu erfassen, ist eine Herausforderung”, räumt Kakkar ein.

Zu niedrige Fallzahlen seien ein weltweites Problem. Denn Infizierte des sogenannten Knochenbrecher-Fiebers zeigten oft zunächst die Symptome einer Grippe und suchten keinen Arzt auf, sagt Kakkar. Andere gehen dem Experten zufolge zwar ins Krankenhaus, werden dort aber nur ambulant behandelt und nicht getestet.

In Indien kommt allerdings hinzu: Selbst wer im Krankenhaus liegt, wird noch lange nicht offiziell registriert. Denn auf dem Subkontinent werden nur Patienten in öffentlichen, nicht aber in privaten Kliniken erfasst. Aber auch nur dann, wenn ein Labor den Dengue-Verdacht mit Hilfe eines Bluttests bestätigt. “Es gibt zwar eine Verordnung, diese Tests bei allen durchzuführen”, sagt ein Arzt aus einem öffentlichen Krankenhaus in Kalkutta. “Aber das wird bei uns kaum umgesetzt – wegen der Vielzahl an Kranken.”

In manchen staatlichen Krankenhäusern des Landes lagen die Dengue-Patienten dieses Jahr so dicht aufgereiht in den Fluren, dass die Ärzte kaum mehr durchkamen. Manche Patienten mussten sich Betten teilen. Und es gibt derzeit keinerlei Anzeichen, dass die Zahl der Dengue-Patienten zurückgehen wird.

Vielmehr nimmt die Zahl der schweren Fälle zu. Denn es gibt vier Formen des Dengue-Erregers. Wer an einem Serotyp erkrankt, ist zwar sein Leben lang dagegen immun, aber wenn er beim nächsten Stich ein anderes Virus erwischt, dann überreagiert das Immunsystem. “Die zweite Erkrankung ist viel schlimmer”, sagt US-Forscher Halstead. Es komme häufig zu Atemnot, Schockzuständen und inneren Blutungen. Die Sterblichkeit liege viel höher als bei der Ersterkrankung.

Mit jedem Monsun erhöht sich die Zahl der Menschen, die bereits einmal infiziert waren – und damit die Zahl derjenigen, die schwer erkranken können. Medikamente zur ursächlichen Behandlung von Dengue-Fieber gibt es nicht. Ein erster Impfstoff, der gerade erforscht wird, schützt nur bedingt.

“Deswegen brauchen wir dringend ein breites, staatliches Vorgehen gegen die Mücken”, fordert Halstead. Die indischen Regierung könne sich dabei ein Vorbild an Brasilien nehmen. “Dort gibt es ein sehr ausgeklügeltes System der Erfassung von Dengue-Fällen. Da könnte Indien eine wunderbare Lektion erhalten.”

Doreen Fiedler : Quelle : Die Zeit 05.12.12

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2 poster und 1 ghetto blaster

Heiri Baumgartner erklärt uns die indische Musik auf 2 Postern und 1 Ghetto Blaster

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Giftkatastrophe

Das endlose Leiden der Kinder im indischen Bhopal

Vor 28 Jahren starben in der indischen Stadt mindestens 15.000 Menschen, bis heute leiden die Einwohner, Babys werden tot geboren. Nun werden an Hilfe suchenden Opfern Medikamentenstudien durchgeführt.

giftkatastrophe

Mit einer dicken Brille auf der Nase sitzt Abdul Jabbar in seinem Büro im zentralindischen Bhopal auf einem Plastikstuhl. Die weiße Kurta über den Baumwollhosen erinnert an einen Arztkittel. Aber Jabbar ist kein Arzt, er ist Vollzeitaktivist. Der Kampf für die Opfer der Chemiekatastrophe vor 28 Jahren ist zu seiner Lebensaufgabe geworden. Auf seinem Schoß liegt ein dicker Aktenstapel, aus dem er jetzt die Kopien einiger Briefe hervorzieht, adressiert an Politiker, Behörden, die indische Regierung. Insgesamt müssen es Tausende sein. Sein Gegner ist mächtig: der US-Konzern Dow Chemical, zweitgrößter Chemiekonzern der Welt – und seit elf Jahren 100-prozentiger Eigentümer und Rechtsnachfolger der Union Carbide Corporation, die das Unglück am 3.Dezember 1984 verschuldete.

Seine schlechten Augen werden Jabbar immer an diesen Tag erinnern. Das ausströmende Gas raubte dem damals 47-Jährigen zwei Drittel seines Augenlichts. Aber er überlebte und gründete die Opferorganisation Bhopal Gas Pidit Mahila Udyog Sangathan, die mittlerweile mehr als 30.000 Mitglieder zählt. Noch heute kommt jedes vierte Baby in Bhopal tot zur Welt, zahllose Menschen leiden unter Atemnot und Krebs, haben Nervenkrankheiten oder sind unfruchtbar, das Grundwasser ist verseucht, immer noch. Dow weist jede Verantwortung von sich, Presseanfragen zu 1984 und den Folgen werden nicht beantwortet. Union Carbide zahlte 1991 lediglich 100.000 Opfern in Bhopal rund 375 Millionen Euro. “Das ist ein Witz”, sagt Jabbar, der gemeinsam mit anderen Aktivisten vor den Obersten Gerichtshof Indiens gezogen ist und jetzt auf ein Urteil wartet. “Selbst wenn man nur täglich ein paar Rupien für Medikamente berechnet, reicht das Geld bei Weitem nicht.” Also gehen die Opfer dahin, wo es die Medizin gratis gibt.

Im Stadtteil Bhanpur bahnen sich streunende Hunde ihren Weg zwischen hupenden Bussen, Taxis und Motor-Rikschas, Männer waschen sich die Füße unter Straßenpumpen. Glatt geteert ist nur die lange Einfahrt zu einem modernen Bau mit Glasfassade, davor stehen Wachleute. Das Bhopal Memorial Hospital and Research Centre (BMHRC) hat 350 Betten auf fünf Stockwerken, 4500 Gasopfer werden am BHMRC und seinen Zweigstellen täglich behandelt – gratis. Einen hohen Preis haben viele Patienten trotzdem bezahlt. Nach all den Jahren klingt es fast sachlich, wenn Jabbar von Medikamentenversuchen westlicher Pharmakonzerne wie AstraZeneca, GlaxoSmithKline und Theravance spricht. In deren Folge starben nach Angaben der indischen Arzneimittelzulassungsbehörde 14 Patienten am BMHRC, Aktivisten schätzen die Zahl weit höher. “Erst töten sie die Leute mit Gas, dann die Überlebenden mit Medikamenten”, sagt Jabbar verbittert. Meist sind es mittellose Leute, Analphabeten.

Auch Ramadhar Shivastar (65) konnte nicht lesen, was auf den Papieren stand, die er unterschrieb. Der Eingang zu seinem Verschlag ist dunkel, auch drinnen gibt es kein Tageslicht. Zu sechst wohnen sie hier, die Wohnstube ist gleichzeitig Schlaf- und Esszimmer, das Bett ist der Sitzplatz für Gäste. Seine Frau brüht dicken süßen Tee auf, doch Shivastar will keinen, “der Magen”. Seit 28 Jahren leidet er an chronischen Beschwerden. “Aber Gott hat mich zweimal gerettet: einmal 1984 und dann noch einmal vor fünf Jahren.” Shivastar atmet schwer, auch die Lungen hat das Gas angegriffen, 2007 dann der Herzinfarkt. Er erfuhr vom BMHRC. Dort wurde Shivastar gratis behandelt und lernte ein neues Wort, Angioplastie, ein Verfahren zur Wiederöffnung verengter oder verschlossener Blutgefäße. Dazu bekam er zwei unbeschriftete Behälter mit Tabletten und ein Papier zur Unterschrift. “Es war auf Englisch. Keine Ahnung, was da stand.” Unterschrieben hat Shivastar trotzdem, immer wieder. Etwa zwei Jahre lang, erzählt er, habe der Doktor jeden Monat angerufen und ihn daran erinnert, die nächste Arzneiration abzuholen. Vielleicht hätte Shivastar nie erfahren, dass er ein Medikament testete, das in Europa noch nicht zugelassen war, wenn nicht im Juni 2010 ein Journalist vor seiner Tür gestanden hätte, der ihm noch ein neues Wort erklärte: Medikamentenstudie. Der britische Pharmakonzern AstraZeneca testete laut indischer Zulassungsbehörde am BMHRC Ticagrelor, das 2010 unter dem Namen Brilique in Europa und den USA gegen Herzinfarkt auf den Markt kam. Drei Probanden starben im Zusammenhang mit der Studie. Heute kennt Shivastar die Fakten, tun kann er nicht viel. Das Geld für einen Anwalt fehlt. “Die Klinik verweigerte mir sogar den Einblick in meine Krankenakte.” Aber wenn Shivastar wieder krank werden sollte, wird er ins BMHRC gehen. Krankenversicherung ist für die meisten Inder ebenfalls ein Fremdwort.

Wie viele Opfer des Chemieunglücks am BMHRC zu Versuchskaninchen wurden, lässt sich nur schwer überblicken. Nachweislich seien 279 Menschen geschädigt worden, sagt Rachna Dhingra. Die 35-jährige Gründerin der “Bhopal Group For Information And Action” zieht einen dicken Ordner aus einem hohen Stapel. “Das ist der Beweis”, sagt sie und legt ein Papier auf den Tisch: Eine Liste von zehn Studien, die mindestens 14 Todesfälle zur Folge gehabt, dem BMHRC aber mehr als zehn Millionen Rupien (knapp 145.000 Euro) eingebracht hätten, erklärt Dhingra. Offiziell ist eine Zustimmungserklärung bei Medikamentenstudien zwar auch in Indien vorgeschrieben: Die Probanden werden über Risiken und mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt und müssen dem Test ausdrücklich zustimmen. Damit entspricht der Gesetzgeber der Helsinki-Deklaration des Weltärztebundes, die zudem den “Patientenschutz über allen anderen Interessen” stellt. Aber ein indischer Chefarzt verdient im Durchschnitt 75.000 Rupien (gut 1000 Euro) pro Monat. Mit Medikamententests kann er ein paar Millionen Rupien dazuverdienen. Dabei versäumen die Ärzte es nicht, sich rechtlich abzusichern: Die Zustimmungserklärung können sie stets nachweisen – obwohl jeder zweite Inder weder lesen noch schreiben kann.

Der Zynismus der Branche hat Dhingra, die in Delhi studiert hat, zur Aktivistin gemacht. Bis 2003 arbeitete sie in den USA für Dow Chemical, dann wechselte sie die Seite und kehrte nach Bhopal zurück. Zusammen mit ihrem Mann Sattinath Sarangi baute sie ein eigenes kleines Krankenhaus für Gasopfer auf, finanziert mit Spendengeldern. In der Sambhavana Clinic sucht sie weiter nach Fällen, die noch nicht bekannt geworden sind. “Unser größtes Hindernis ist dieser Morast an Korruption”, sagt Dhingra. Will ein Pharmaunternehmen in Indien ein Präparat testen, muss es seinen Antrag bei einer Ethikkommission einreichen. Wird der Versuch dort gutgeheißen, muss er von der Zulassungsstelle abgesegnet werden. Wird er abgelehnt, kann er an eine andere Kommission weitergegeben werden. “In diesen Kommissionen kann im Prinzip jeder Mitglied werden”, sagt Dhingra. Wie das am Ende aussehen kann, zeigt etwa der Test “Oasis-6” des Konzert GlaxoSmithKline für ein Herzmittel, bei dem es nach Recherchen des britischen “Independent” sechs Tote gab: Der vom Klinikmanagement berufene Chefermittler am BMHRC war gleichzeitig der Leiter der Kardiologie, seine Frau wiederum spielte als Sekretärin der Ethikkommission eine Schlüsselrolle in der Zulassung der Medizin.

Chandra Gulhati (71), pensionierter Internist und Gründer des medizinischen Fachblatts “Monthly Index Of Medical Specialities”, überraschen derlei Nachrichten nicht. Sein Büro ist ein höhlenartiger Raum mit rotbraun gemusterter Tapete am Nehru-Platz mitten in Delhi. Auf dem Tisch, unter dem Tisch, in den Regalen – überall stapeln sich die Papiere, die er in all den Jahren, in denen er sich mit der Pharmaindustrie beschäftigt, angehäuft hat. Sein Fazit in einem Wort: “Neokolonialismus”. Tatsächlich ist Indien laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum attraktivsten Testland weltweit geworden. 2011 wurden hier fast eine halbe Milliarde Euro investiert, derzeit laufen etwa 1900 Studien mit 150.000 Probanden. Die Bedingungen sind optimal: 1,2 Milliarden Einwohner, viele sind krank, 80 Prozent verdienen nicht mehr als 1,50 Euro am Tag, die Lohnkosten sind niedrig und das System ist korrupt. “Die indische Kontrollbehörde gibt jedes Jahr 5000 Versuche frei. Zuständig dafür sind aber nur 15 Inspekteure. Die müssten also theoretisch jeden Tag drei bis vier – mehrere Tausend Seiten starke – Anträge lesen”, sagt Gulhati. Die Zahl der Tests in Indien ist nach 2005 um mehr als das Fünffache gestiegen. Vorher waren sie nur erlaubt, wenn schon im Ausland Versuche durchgeführt worden waren. Jetzt haben die Konzerne freie Hand. “Die Behörden sehen darin eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Indien. Da ist das Risiko von ein paar toten Analphabeten kein wirkliches Hindernis.”

Das Outsourcing lohnt sich für die Pharmakonzerne. Experten wie Gulhati schätzen, dass diese bis zu 60 Prozent der Entwicklungskosten eines neuen Medikaments sparen und dank fehlender bürokratischer Hürden auch Zeit. Groß im Geschäft seien zudem Mittel, die im Westen keine Zulassung erhalten haben, aber schon produziert wurden. “Arzneimittelhersteller verkaufen hier Medizin, die in Deutschland verboten ist. Sie wegzuwerfen wäre ja ein Verlustgeschäft”, sagt Gulhati bitter. Und selbst wenn die in Indien getesteten Medikamente für den westlichen Markt zugelassen werden: “Wer sagt denn, dass nicht Bestechung dahintersteckt? Nicht jede Medizin, die in Indien getestet wurde und in Deutschland auf den Markt kommt, ist auch wirklich sicher!” Dass der eine oder andere Skandal überhaupt bekannt geworden ist, ist Aktivisten wie Dhingra oder Jabbal zu verdanken. Auf ihren Druck hin untersuchte das indische Gesundheitsministerium einige Medikamentenstudien. Gulhati ist überzeugt, dass die Dunkelziffer enorm hoch ist. “Obduktionen gibt es nicht. Und wer von seinem Schicksal erfährt, hat kein Geld für einen Anwalt.” Nach Angaben der indischen Regierung starben im vergangenen Jahr 438 Probanden während klinischer Studien. Eine von der indischen Zeitung “Business Standard” eingesehene Aufstellung der Zulassungsstelle zeigt, dass allein bei Novartis-Tests 57 Personen starben. Auf der Liste folgen Bayer und Pfizer mit je 20 Todesfällen und Bristol Mayer Squibb mit 19. Die Beschuldigten bestätigten einen Zusammenhang zwischen Test und Tod nur in 22 Fällen. Auf Anfrage heißt es bei Bayer: “Die in klinische Prüfungen eingeschlossenen Patienten sind zum Teil älter und schwer krank. Sie sind aufgrund ihrer Grunderkrankung und des fortgeschrittenen Alters Hochrisikopatienten, bei denen die Mortalität grundsätzlich hoch ist.” In fünf Fällen zahlte Bayer den Hinterbliebenen pauschal 250.000 Rupien, 5250 US-Dollar. “Das ist eine willkürliche Summe”, moniert Gulhati. Der Konzern hält dagegen: “Unser Unternehmen hat in diesen fünf Fällen entsprechend der lokalen Regelungen und in Abstimmung mit Ethikkommissionen Entschädigungszahlungen geleistet. Diese werden unter Abwägung aller Umstände des jeweiligen Einzelfalles vorgenommen.”

In Bhopal geht der Kampf weiter. Jeden Samstagmorgen trifft Abdul Jabbar im Yaadgar-e-Sahajahan-Park Mitstreiter, um über ausstehende Gerichtsurteile zu sprechen, über ihre Gesundheit und angemessene Entschädigungen. Auf dem Weg zum Park glitzert der Bhoj Taal, der Große See, in der Morgensonne. Die Neem-Bäume mit ihren kupferfarbenen Stämmen breiten ihre Lorbeer-ähnlichen Blätter über die Straßen, der Wind treibt den Duft ihrer weißen Blüten zum See. Die Idylle trügt. Hinter den himmelblau getünchten Mauern, die unweit von hier den Dow-Konzern von außen abschirmen, lagern immer noch 346 Tonnen Giftmüll. Doch immerhin dieses Problem soll jetzt gelöst werden: Da die lokale Bevölkerung und Umweltgruppen nicht wollen, dass der Giftmüll in der 200 Kilometer entfernten Verbrennungsanlage entsorgt wird, setzen sie jetzt auf deutsches Know-how: Der Giftmüll soll in Hamburg verbrannt werden.

Jenni Roth

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waseem hussain vor dem schweizer tourismusrat – inder ernst nehmen

Zürich, 7. November 2012 – Indische Touristen in der Schweiz wollen ernst genommen werden. Sie schätzen es ausserordentlich, wenn sie der Hoteldirektor persönlich begrüsst und zum Ausdruck bringt, dass er Indien schätzt und das Land kennt. Falsch kultivierter Stolz ist eines der Hindernisse im Umgang mit den Touristen aus Indien. Am heutigen Jahresmeeting des Schweizer Tourismusrates zeigte Waseem Hussain, Schweizer Strategieberater und interkultureller Trainer mit indischen Wurzeln, auf, wie in vier Schritten das Geschäft mit indischen Touristen in der Schweiz für beide Seiten gewinnbringend intensiviert werden kann.

„Rund 200‘000 Inder besuchten 2011 die Schweiz – Tendenz steigend. Noch immer ist das Wissen über die indischen Gäste in der Schweiz gering“, sagt Waseem Hussain, der in der Schweiz aufgewachsen ist und fliessend die indischen Sprachen Hindi und Urdu spricht. Wenn der indische Gast richtig angesprochen werde, sei er nicht nur bereit, sich etwas zu leisten, sondern entpuppe sich auch als sehr treuer Gast, sagt der Brückenbauer zwischen Indien und der Schweiz.
In seinem Referat anlässlich der Jahrestagung des Schweizer Tourismusrates im „Clouds“ in Zürich zeigte Waseem Hussain auf, welche vier Schritte im Umgang mit den indischen Gästen in der Schweiz notwendig sind, um den Besuch für beide Seiten zu einem Erfolg werden zu lassen.

1.    Schweizer müssen wieder stolze Gastgeber werden
Wilhelm Tell versinnbildlicht die Ablehnung von Fremdherrschaft und Obrigkeit. Doch im Tourismus sollten wir den Gast wie einen König behandeln. Deshalb muss der indische Gast zur Chefsache werden. Ein Apéro mit dem Hoteldirektor kann Wunder bewirken.

2.    Die Frage nach Jantar Mantar
Die Inder sind stolz auf ihre 5000 Jahre alte Zivilisation. Indische Gäste freuen sich, wenn sie auf den Taj Mahal angesprochen werden. Ihre Augen aber beginnen zu glänzen, wenn sich ihre Gastgeber fürs Jantar Mantar, die fünf historischen astronomischen Sternwarten in der Nähe von Neu Delhi, interessieren. Das Signal für den Gast ist: Hier werde ich erkannt, hier bin ich willkommen.

3.    Erleichtern Sie dem Gast, sein Geld auszugeben
Der Inder weiss um das Preisniveau in der Schweiz. Er ist sehr qualitätsbewusst und deshalb auch bereit, einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Discount-Angebote kommen nur bei jenen Billigtouristen gut an, der in 10 Tagen durchs Schengenland reisen. Ein „Swiss Fondue“ schmeckt gut, aber ein „Traditional Swiss Fondue prepared following a recipe from 1784 of the Suter Family” schmeckt dem Inder noch bedeutend besser.

4.    Herzschmerz und Heimweh wecken
Der indische Gast kommt nur wieder zu uns, wenn er Sehnsucht hat nach unserem Land hat. Die Schweiz verfügt über emotionale Produkte. Doch mit denen kann der Inder weder reden noch lachen. Als Beziehungsmensch möchte der Inder seine Gastgeber persönlich kennenlernen, mehr erfahren über ihre Familien und Interessen. Wie in einem guten Bollywood-Film, muss der indische Tourist an Herzschmerz leiden, wenn er in seine Heimat zurückkehrt. Er wird in die Schweiz zurückkommen, weil er Heimweh hat.

„Die Schweiz hat eine Riesenchance. In Indien leben heute über 27 Millionen Menschen, die sich heute eine Reise in die Schweiz leisten können. Sie heute zu gewinnen, wird sich auch für die nächste Generation auszahlen. Die Inder können die neuen Japaner werden“, sagt Waseem Hussain.

Waseem Hussain ist CEO der Marwas AG in Zürich. Er ist seit über 20 Jahren erfolgreich als Strategieberater, Projektleiter und interkultureller Trainer für Verhandlungen und Mitarbeiterschulungen tätig. Seine Dienste beanspruchen neben nationalen und internationalen
Tourismusorganisationen KMU und globale Finanz-, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen  in der Schweiz und in Europa, die den indischen Markt bearbeiten wollen. Waseem Hussain tritt immer wieder als Keynote-Speaker an internationalen Konferenzen auf und ist Gastdozent an diversen Hochschulen.


Weitere Auskünfte:
Waseem Hussain
MARWAS AG – Business with India
Buchholzstrasse 35
CH-8053 Zürich

info@marwas.chwww.marwas.ch

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